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Überfahrt nach Madeira – der Wetterbericht ist ein A…..

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Spontan und völlig unerwartet haben wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Madeira gemacht! Was?! Ja, wir sind gestern nach vier Tagen und Nächten angekommen. Eigentlich hatten wir Madeira schon abgeschrieben und uns auf ein gemütliches Dahinsegeln Richtung Mittelmeer eingestellt. Aber dann kam die Kälte, der Lockdown auf Portugal Festland und das vermeintlich perfekte (dazu später mehr) Wetterfenster nach Madeira. Also: Anker hoch und los geht es!

Der erste Tag

Bei Sonnenschein und Am-Wind-Kurs ging es am Mittwoch mit sechs Knoten Richtung Süden. Wir konnten gemütlich im Cockpit Mittag essen und die Sonne genießen. Wie der Wetterbericht voraussagte, drehte dann der Wind und wir konnten nach dem Verkehrstrennungsgebiet (VTG) südlich vom Cabo de São Vicente bei halben Wind auf Kurs Madeira gehen. Kevin übernahm die erste Schicht und ich die Hunde-Schicht.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag legte der Wind auf fünf bis sechs Beaufort zu, was wir auch erwartet hatten. Statt Sonnenschein, gab es heute aber nur Wolken. Es zeichnete sich durch starke Böen ab, dass mehr Wind kommen wird als ursprünglich gedacht. Also packten wir vorausschauend unsere Fock aus, was immer ein ziemlicher Aufwand ist, da wir keine Rollfock haben. Wir haben ein Kutterstag und eine besonders kleine Fock mit Stagreitern. (Diese ganzen Fachbegriffe musste mir Kevin flüstern. 😉 ) In der Nacht gegen 23 Uhr legte der Wind nochmal ordentlich zu und es wurde sehr schaukelig. Nach drei Stunden wurde der Wind super unbeständig, was ein ständiges Anpassen der Segel erforderte. Mal waren es sechs Beaufort, dann kurze Zeit später wieder nur drei. Anstrengend.

Der dritte Tag

Heute verwöhnte uns Kevin zum Frühstück mit seinen Special-Bananen-Pfannenkuchen. 🙂 Am dritten Tag hat der Wind dann weiter gedreht. Nach und nach wurde der Wind immer raumer, bis wir einen richtig schönen Downwind hatten. Das heißt: Genua ausbaumen zur Schmetterlingsbesegelung. Das brachte unsere Serenity zum allbekannten Rollen. Hatte ein bisschen was von unserer Atlantiküberquerung… ein Bordleben mit den Jungs war im Cockpit nicht möglich. Dafür war es auch zu kalt. Segeln im Sommer ist da angenehmer… ich hasse es beim Segeln im Salon zu sitzen, da ist mein inneres Gleichgewicht durcheinander, sprich: mir ist flau. Auch diese Nacht war der Wind wieder sehr wechselhaft.

Der vierte Tag

Eigentlich hatten wir Porto Santo, die kleinere bewohnte Insel der Gruppe, angesteuert. Kurz davor um 4 Uhr morgens bei sechs Beaufort mitten in der Nacht entschieden wir uns aber, weiter nach Madeira zu segeln. Wie waren zu schnell, konnten aber nicht langsamer machen, da das Geschaukel durch die Wellen dann unerträglich geworden wäre und sie uns kontinuierlich nach vorne schoben. Außerdem können wir Porto Santo noch auf dem “Rückweg” in Mittelmeer ausgiebig erkunden. 🙂 Gegen 14 Uhr ließen wir den Anker vor der Marina in Funchal fallen.

Warum fanden wir diese Überfahrt anstrengender als erwartet?

Es macht einen großen Unterschied, ob man bei beständigem Wetter im Sommer bei Sonnenschein und Wärme oder sehr unbeständigem Wetter im Winter bei kaltem Wind segelt. Es ist möglich, man braucht Geduld, mehr Zeit und eine Spur “Quäl-dich-Gen”. Nichts mit “Segel setzen und laufen lassen”. Mit vier Jahre alten Zwillingen, ist es sowieso “mehr” anstrengend, da man sich nicht einfach dick eingepackt ins Cockpit setzen kann. Wir waren auch nicht richtig eingeschaukelt… und schließlich hatten wir uns durch die Wettervorhersage eine entspanntere Überfahrt erhofft. Wir sind schon jetzt auf den Rückweg gespannt. Betonen müssen wir aber, dass die Verpflegung mit sehr leckerem Essen wirklich ausgezeichnet war. 🙂 Bordküche können wir.

Und wieder warten, diesmal auf die Polizei

Und jetzt? Jetzt liegen wir vor der Marina Funchal vor Anker und warten auf das Ergebnis unseres Covid-Testes. Die Marine Polizei organisierte den den erforderlichen Covid-Test, damit wir die Madeira-Inseln erkunden können. Alles nötige wie Schiffszulassung, Versicherungsunterlagen und Passports haben wir ihr per WhatsApp (kein Spaß) zugeschickt.

Total cool: Es gibt hier auf Madeira eine App, die anzeigt, an welchen Orten, Plätzen, Straßen und Geschäften gerade viele oder wenige Menschen unterwegs sind. Safe Madeira. Das wäre in Deutschland Datenschutztechnisch nicht möglich…

Drückt uns die Daumen für ein negativ! 🙂

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