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Über den Wolken mit Fish Spa und Nonnen – Madeira #2

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Heute ist es ein richtig ekliger Regentag auf Madeira. Also perfekt, um den zweiten Teil über unsere Ausflüge zu schreiben. 🙂

Oft waren wir bei unseren Touren über den Wolken… wenn wir morgens aufgestanden sind und müde aus der Luke blinzelten, sahen wir eine dichte, nicht einladende Wolkendecke. Mäh. Doch kaum waren wir unterwegs und sind ein wenig bergauf gefahren, erwartete uns ein wundervoller Sonnentag. Zwei Wetterwelten.

Cabo Girão – Steilklippe der Superlative

Eine der höchsten Steilklippen der EU ist auf Madeira: das Cabo Girão. Stolze 580 Meter blickt man zum Meeresspiegel runter. Der Madeirer Tourismusverband behauptet natürlich ganz souverän, dass es die höchste Klippe Europas ist. 😉 Uns Alpinisten schreckt der Blick in die Tiefe nicht. Als die Jungs anfingen, auf der Glasplattform rumzuspringen, wurde es mir aber dann doch ein wenig mulmig…

Spektakuläre Naturpools in Seixal und Porto Moniz

Die Bademöglichkeiten sind auf Madeira beschränkt. Durch die sehr steilen Wassertiefenabfälle an der Küste, brechen sich die Wellen an den Steinstränden extrem. Super für Surfer, schlecht für gechilltes Schwimmen. Madeira hat deswegen für die Touristen hellen Sand aus Marokko einschiffen lassen, und zwei künstliche Sandstrände mit Wellenbrechern gebaut. Die Madeirer fahren für einen gediegenen Strandtag lieber mit der Fähre zur Nachbarinsel Porto Santo, die quasi nur aus natürlichem Sandstrand besteht. Nur nicht im Moment, denn der Fährbetrieb ist wegen Corona aktuell eingestellt.

Die zweite Möglichkeit zum Baden sind die Naturpools aus Lavastein an der Nordküste in Seixal und Porto Moniz. Ein wenig wurde der Natur nachgeholfen und mit Mauern die Pools “zu” gemacht. In Seixal haben wir uns kurz ins 18 Grad warme (oder kalte?) Wasser gewagt. In dem Pool waren Fische, die gleich unsere Füße anknabberten. Fish Spa for free. 🙂

Seixal ist ein kleines schnuckeliges Dörfchen. Porto Moniz ist dagegen ein touristischer Ort, dennoch sehr schön. Der Lava-Pool wird hier zusätzlich zum Meereswasser noch mit Süßwasser befüllt und ist von Lavasteinen durchsetzt. Optisch wirklich schön. Als wir hier baden wollten, wurde der Pool leider wegen zu starker Wellen gesperrt.

Curral das Freiras – das Nonnental

Der schwer zugängliche Talkessel Curral das Freiras diente im 16. Jahrhundert Nonnen als Versteck vor französischen Seeräubern. Deswegen der Name. Die Nonnen flohen über einen geheimen Wanderpfad in das Tal, um sich und vor allem die Klosterschätze zu verstecken. Geographisch isoliert, lebten hier die Menschen früher von Eigenbau. Besonders Maronen wachsen hier und stehen kulinarisch für das Tal. Geröstete Maronen werden auf der ganzen Insel an der Straße verkauft, lassen sich sehr gut schälen und schmecken ausgesprochen süß. Anders als in Deutschland werden die fertigen Maronen noch in Meersalz gewendet.

Levada do Risco und Levada das 25 Fontes – eines unserer Highlights

Wir hatten uns auch eine etwas längere Wanderung mit den Kindern vorgenommen und haben entsprechend viel Zeit für Pausen, Picknick sowie Bummeleien eingeplant. Es sollte zum Wasserfall Risco gehen, denn da hat man etwas als Ziel. Sehr wichtig beim Wandern mit Kindern, genauso wie Snacks zur Motivation.

Der Anfang der Wanderung war sehr entspannt bergab einer gesperrten Straße bis zur Hütte Rabaçal. Von hier ging es einen ebenen breiten Weg entlang der Levada bis zum beeindruckenden Wasserfall. Hier genossen wir unser Picknick, beobachtet von dutzenden Madeirischen Buchfinken. Sie sind überhaupt nicht scheu und an die Touristen gewöhnt, picken Brot fast aus der Hand.

Während Kevin und die Jungs zur Hütte zurück stiegen (für Saft und Kuchen), bin ich noch zu den 25 Fontes (deutsch, die 25 Quellen) gespurtet. Dieser Weg und die Levada verlaufen zum großen Teil parallel zur Levada do Risco. Allerdings noch ausgesetzter mit vielen Stufen bergauf und -ab, engerem Weg und mehr Absturzmöglichkeiten. Wunderschön für trittsichere Erwachsene, mit Kleinkindern nicht empfehlenswert… es sei denn, man quält sich gern. Wir trafen uns alle glücklich wieder an der Hütte und sind dann mit dem Shuttle des Tourismusverbandes (super Service!) bergauf zu unserem Mietauto gefahren. Ein wirklich schöner Tag!

Madeirawein-Tasting

Auf Madeira darf natürlich auch ein Madeirawein-Tasting nicht fehlen. 🙂 Bei Blandy’s Wine Lodge, wenige Gehminuten von der Marina entfernt, hatten wir zunächst eine Führung durch das Gebäude. Ursprünglich war es ein Kloster, dann ein Hospital, ein Gefängnis und schließlich kaufte die englische Familie Blady die heutige Wine Lodge. Heute lagern hier 650 Fässer. Der Hauptunterschied zum Portwein ist die Lagerung in Wärme, weswegen der Madeirawein oxidiert und anders gärt. Deswegen soll er auch stehend gelagert werden. Ich persönlich mag Portwein lieber, Kevin findet beide gut. Zwei Flaschen wanderten in unsere Bar. 🙂

Unser Fazit: Madeira ist eine wirklich wundervolle abwechslungsreiche bunte Insel mit unglaublich netten Menschen. Das Klima ist angenehm und die Natur spektakulär. Wir sind sehr froh, dass wir es (unverhofft) doch noch hier her geschafft haben, unabhängig von Corona. Jetzt brummen langsam wieder die Hummeln..

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