AllgemeinVorbereitung

The real pirates of the Caribbean – Jack Sparrow kann mir so was von gestohlen bleiben

Am ersten März-Wochenende war es nun soweit: unser letzter Workshop vor unserer Abfahrt stand an. Wir machten uns also auf den langen Weg in den Norden zum Piratenpräventions-Workshop der Bundespolizei See, genauer dem Piratenpräventions-Zentrum, in Neustadt in Holstein. Piraten sind kein Thema, über das man gerne spricht. Aber sie sind ein wichtiges Thema für Blauwassersegler.

Where should I stay, where should I go?

Überall da, wo es viel Armut gibt, gibt es auch verzweifelte Menschen. Und für diese verzweifelten Menschen mag eine weiß polierte Segelyacht sehr verlockend wirken. Als Langfahrtensegler in spe mit zwei kleinen Kindern müssen wir uns also sehr genau überlegen, welche Flecken der Erde wir lieber meiden, wie wir auftreten und wie wir uns womöglich vor Angriffen oder vor Raub schützen können. Wer kann uns da besser beraten als die Profis?

Die Bundespolizei See bietet den besagten Piratenpräventions-Workshop für Weltum- und besegler kostenlos jedes Jahr am ersten März-Wochenende an. Etwa 55 Seglerinnen und Segler, haben sich angemeldet (die Nachfrage war so groß, sodass die BPO See einen zweiten Termin angeboten hat, wow). Was wir nicht erwartet hätten: die wenigsten wollen wie wir jetzt zeitnah starten. Viele wollen in einem Jahr, in drei Jahren oder in fünf Jahren starten, sie haben sich vielleicht gerade erst ein Segelboot gekauft oder vor kurzem einen Segelschein gemacht.

Die Segler sind ein nettes Nebenprodukt

Die Damen und Herren der Bundepolizei beraten hauptsächlich die Großschifffahrt zu dem Thema, die Blauwassersegler sind eher ein „Nebenprodukt“. 😉 Naja, bei geschätzten 600 Langfahrtensegler aus Deutschland (Durchschnitt übrigens 55 Jahre plus, wir sind da der kleine Ausreißer nach unten) lohnt sich Aufklärung und Prävention.

Lessons learned – die Piraten sind jünger als gedacht

Hier nun ein paar Erkenntnisse, die wir mit nach Hause genommen haben. Die sogenannten Armuts-Piraten sind zu 90 Prozent unter 16 Jahre alt (Jack Sparrow ist also viel zu alt) und kommen meistens per Boot oder sogar geschwommen in der Nacht. Sie nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist und verschwinden wieder unbemerkt. Meistens stehen sie unter Drogen oder Alkohol. Sie wollen dir nicht körperlich schaden, sie sind auf Geld aus. Wir haben “Verhaltensregeln” bei der direkten Begegnung mit Piraten besprochen. Hmm, lieber ein wenig weiter weg vom Strand ankern… das hält außerdem auch die Mücken fern.

Wenn man allerdings in den sogenannten High-Risk-Areas unterwegs ist, sieht es schon ganz anders aus. Hier sind Terror-Gruppen und Schmuggler unterwegs. Und wenn man dann zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann man als, eigentlich unbedeutende, Segel-Crew großes Pech haben. Wir werden diese Gebiete meiden. Die High-Risk-Areas verschieben sich je nach politischer Lage und auch Piratenaktivitäten können sich verändern. Deswegen muss man sich immer kurzfristig über potenzielle Segelreviere erkundigen und seine Routen womöglich anpassen.

Deutsche Familie besonders im Visier?

Was uns beruhigt hat ist, das wir als deutsche Familie mit zwei kleinen Kindern nicht besonders im Visier von Piraten sind. Es ist ihnen egal, welche Nationalität oder welches Alter wir haben. Sobald es den Anschein hat, dass es etwas zu holen gibt, ist man ein Ziel. Schmuck sollte man lieber gleich zu Hause lassen, High-Tech immer wegschließen. Lässt man sein Dinghi über Nacht im Wasser muss man sich am nächsten Morgen nicht wundern, wenn es samt Außenborder weg ist. Sprich: Kopf einschalten. 😉 

Das pinne ich außen an das Schott 🙂 Ob das die Piraten abhält?

Wenn sich das alles jetzt furchtbar anhört: 99 Prozent der Menschen, denen man auf einer Reise begegnet sind freundlich, hilfsbereit und ehrlich. Es ist nur eine kleine Minderheit, vor der man sich in Acht nehmen muss. Und vor allem in der paradiesischen Karibik ist Diebstahl ein Thema. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen kann man sich aber gut schützen. Unsere To-Do-Liste hat also auch ein paar neue Punkte, vor allem technisches Sicherheits-Equipment, dazu bekommen…

Ein Gedanke zu „The real pirates of the Caribbean – Jack Sparrow kann mir so was von gestohlen bleiben

  1. Wow, hochspannende Informationen über die Piraterie durfte ich bei Euch lernen. David und Noah wissen bereits, dass es Piraten tatsächlich noch gibt, jetzt kann ich Ihnen weiteres berichten 😉
    Trotzallem wünschen wir Euch keine Begegnung dieser Art. Gott bewahre Euch auf Eurem mutigen und hochspannenden Segelweg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.