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Schub, Phase, Zahn, Springzeit – das Leben mit dreijährigen Zwillingen an Bord

Oft wurde ich angesprochen oder angeschrieben, wie denn das Leben an Bord 24/7 mit unseren Jungs ist. Eure Wünsche wurden erhört! Heute erfahrt Ihr die nackte Wahrheit. Nach über einem halben Jahr Leben an Bord möchte ich Euch einen kleinen Einblick in unseren Bordalltag geben. Aber Vorsicht: Es könnte ganz schön langweilig sein. 😉

Ankerbucht-Alltag

Wie sieht also ein typischer Tag bei uns aus? Wenn wir in einer Ankerbucht liegen, schlafen wir meistens so lange, bis die Jungs wach werden. Das ist in der Regel zwischen sieben und acht Uhr. Dann frühstücken wir (wenn sie ganz lieb sind, macht Kevin Pfannkuchen), Zähne putzen und ab mit dem Dingi an den Strand. Manchmal kommen Kevin oder ich nach, weil einer von uns noch arbeiten oder etwas erledigen muss/möchte. Meistens essen wir ein mitgebrachtes Picknick oder manchmal gehen wir irgendwo essen. Vielleicht gehen wir zu einem Spielplatz, wenn einer in der Nähe ist. Dann geht es wieder an Bord, alle müssen noch Duschen und den Sand abspülen, Abendessen, Zähne putzen, Schlafen. Das sind bisher die entspanntesten und schönsten Tage.

Dazwischen müssen wir Streite schlichten und je nach der Laune der Jungs auch Bomben entschärfen. Wenn man zum Beispiel den Saft falsch eingeschenkt hat. Oder wenn man die Käsepackung auf gemacht hat, aber einer der Jungs wollte das machen. Oder wenn man die Chorizo aufgegessen hat, ohne sich vorher eine schriftliche Genehmigung der Jungs eingeholt zu haben. Oder wenn beide neben Mama sitzen wollen. Oder wenn sie unbedingt ein “Sendung mit der Maus”-Clip sehen wollen, aber nicht dürfen.

Marina-Alltag

Wenn wir in der Marina sind, haben wir meistens etwas vor. Entweder wir wollen uns die Stadt/die Umgebung/die Insel ansehen oder einer von uns – vor allem Kevin – muss am Boot oder für unser Reisebudget arbeiten. Die Zeit der Bootsarbeiten ist bisher die schlimmste und anstrengendste für alle Beteiligten. Kevin ist voll im Boot und ich voll mit den Kindern eingespannt. Unser Zuhause sieht dann aus wie eine Baustelle. Überall liegen Werkzeug, Kleinkram und Chemikalien rum, die natürlich nicht angefasst werden dürfen. Das Vorschiff hat sich in diesen Zeiten mit Hängematte und Planschbecken als Fluchtort für die Jungs und mich entpuppt. Meistens sind wir aber unterwegs und weg von der Baustelle. Nach mehreren Tagen Solo-Kinderbespaßung sind meine Akkus meist leer und ich bin genervt. Und jeder der Kevin kennt weiß, dass er beim Handwerken nicht angesprochen… ähm, angeschaut… ähm, gestört werden sollte. Am Besten ist man auch nicht in seiner Nähe, denn sein Gefluche und Geschimpfe lassen einen denken, dass gleich das Schiff untergeht. 😉 Wir alle machen drei Kreuze, wenn das Gebaute funktioniert und unser Zuhause wieder bewohnbar ist.

Dazwischen – ob vor Anker oder in der Marina – muss noch Wäsche gewaschen und eingekauft werden. Je nach Lage kann das lang und anstrengend oder kurz und entspannt sein. Und natürlich müssen wir täglich mehrfach per Hand Geschirr spülen, das Boot aufräumen und regelmäßig Putzen. Der Dreck ist nämlich der gleiche, er verteilt sich nur auf weniger Quadratmeter. Hach, wie schön sind immer diese fünf Minuten, wenn alles sauber und aufgeräumt ist… Dazwischen müssen wir Streite schlichten und je nach der Laune der Jungs auch Bomben entschärfen. Wenn wir zum Beispiel die nicht gewünschten Kinderlieder anmachen. Oder der Bruder ein Lego-Konstrukt zerstört hat. Oder wenn kein Saft, sondern Wasser zum Essen gereicht wird. Oder wenn nicht Mama, sondern Papa, sie anziehen möchte. Oder wenn das dreckige Kuscheltier in der Wäsche liegt.

Segel-Alltag

Wenn wir segeln ist einer von uns für die Kinder und einer für das Boot verantwortlich. Das versuchen wir regelmäßig zu wechseln, was nicht immer einfach ist. Für die Jungs gibt es Hörbücher und Snacks, es wird gebastelt, gesungen und Delfine beobachtet. Bei mehrtägigen Schlägen dürfen die Jungs auch mal einen Film sehen, wenn einer von uns schlafen muss. Wenn die Bedingungen nicht so angenehm sind (Welle und Wind stehen ungünstig zum Kurs), dann sind sie mehr unten im Bootes und spielen Lego oder hören im Bett Hörbuch. Bei guten Bedingungen können wir beide mehr mit ihnen machen, deswegen versuchen wir vorwiegend bei guten Bedingungen zu fahren. In Momenten, bei denen Kevin und ich zusammen etwas machen müssen – beispielsweise beim An- und Ablegen oder Parasailor setzen – kriegen die Kinder je nach Tagesform einen Lutscher (damit sie uns entspannt zuschauen) oder einen Clip (damit sie entspannt sind und uns nicht stören). Anders geht es bei uns aktuell mit zwei Dreijährigen nicht.

Dazwischen müssen wir Streite schlichten und je nach der Laune der Jungs auch Bomben entschärfen. Wenn beide mit Papa alleine Angeln wollen. Oder wenn wir ihnen verbieten, die Winsch anzufassen. Oder wenn sie ohne Rettungsweste ins Cockpit wollen. Oder wenn frecherweise Paprika im Gemüseeintopf ist. Oder wenn keine Spaghetti, sondern Spinelli gekocht wurden.

Wir sind dankbar, für diese wertvolle Zeit

Ihr seht also: Der ganz normale Wahnsinn mit Kleinkindern. Zugegeben, es gibt Tage, da könnte ich sie auf den Mond schießen, weil sie nur am Meckern oder Streiten sind. Und manchmal brauche ich ein, zwei Stunden nur für mich. Meistens sind wir aber sehr dankbar für die wertvolle gemeinsame Zeit. Wir lernen unsere Kinder richtig kennen und jeden Tag gibt es etwas, was uns erstaunt oder zum Lachen bringt. Wenn sie auf Fremde zugehen und danach erzählen, sie hätten neue Freunde gefunden – egal ob sie sie verstanden haben oder nicht. Oder wenn sie zusammen kuscheln. Oder wenn sie zu mir an einem grummeligen Morgen sagen “Mama, trink erstmal deinen Kaffee”. Oder wenn sie zusammen Lego bauen. Oder wenn sie dir unbedingt die schönste Muschel schenken wollen. Oder wenn sie wissen wollen, was Törtchen auf Englisch heißt. Oder wenn sie mit dir zusammen Musik machen und singen. Oder wenn sie etwas verstanden haben, was du ihnen erklärt hast. Oder wenn sie sagen “Danke Papa, fürs Pfannkuchen machen, sie sind köstlich.” Ja, es ist manchmal sehr anstrengend. Aber wir bereuen unsere Entscheidung keine Sekunde. Die Zeit, die wir zusammen als Familie verbringen, ist das was im Leben zählt. Und das kann uns keiner nehmen.

Oktober ist “dwarfism awareness month”

Übrigens ist der Oktober der sogenannte “dwarfism awareness month”, also zu deutsch Kleinwuchs-Aufmerksamkeits-Monat. Wie Ihr wisst, hat Robin Achondroplasie, das ist die häufigste Form von Kleinwuchs. Ich habe letztes Jahr vieles zu dem Thema geschrieben, lest es Euch gerne durch. 🙂

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