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Mal eben kurz… Alltagssituationen an Bord

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Wer auf einem Boot wohnt und reist weiß, dass es ein “mal eben kurz” (oder ein “alles ist fertig”…) nicht gibt. Noch so jede kleine Kleinigkeit entpuppt sich als Tagesaufgabe. Werkzeug muss aus der untersten hintersten Ecke der Backskiste raus gekramt werden. Dann passt das Werkzeug nicht. Oder das Ersatzteil passt nicht. Oder das Werkzeug ist kaputt. Dann muss man erstmal an den Bereich kommen, an dem etwas repariert werden muss. Oder man muss erstmal lange Suchen, was überhaupt kaputt ist. Und schließlich muss dann alles wieder auf geräumt werden.

Anfangs ist das noch sehr frustrierend. Ok, es ist nach einer Weile immer noch frustrierend. Aber wenn man um die Situation weiß, dann ist es nur noch halb so schlimm… ok, das stimmt nicht. Es ist noch genauso schlimm, ätzend und frustrierend. Aber man geht mit etwas mehr Gelassenheit (Stichwort Serenity 😉 ) an die Reparatur.

Heute berichte ich von zwei typischen Situationen an Bord… und eine lustige Corona-Situation gibt es als Bonus.

Bordtoilette kaputt – der schlimmste Alptraum wird wahr

Wir wussten, es wird der Tag kommen. Der Tag, vor dem uns allen graute. Unsere Bordtoilette war kaputt. Doch zunächst ein kurzer Exkurs: Wie funktioniert eine Toilette auf einem Segelboot?

Es gibt keinen Spülknopf wie an Land. In der Regel gibt es eine Handpumpe, mit der das “Geschäft” erstmal abgepumpt wird. Danach wird ein Hebel umgelegt und wieder mit der Handpumpe mit Meereswasser hinterher gespült. Es gibt einen Fäkaltank, in dem alles gesammelt wird, wenn man beispielsweise im Hafen liegt. Alles ist verbunden mit diversen Schläuchen und Dichtungsringen. Will man nicht, dass diese Schläuche verstopfen, spült man reichlich und ohne Toilettenpapier. Dieses wird separat im Mülleimer entsorgt. Das Gummi von Dichtungsringen wird mit Fett geschmeidig gehalten. Da diese Mechanik aber mehrmals täglich von mittlerweile vier Vollverdauern genutzt wird, musste irgendwann etwas kaputt gehen.

In Funchal war es soweit. Die Pumpe wollte nicht mehr abpumpen. Der Druck war groß, das Problem schnell zu beheben, denn die Toiletten in der Marina in Funchal waren nicht nutzbar. Und es gibt, wie gesagt, vier Vollverdauer an Bord. Davon zwei Kinder, die nur bedingt “einhalten” können. Kevin schraubte also die Verbindungsschläuche ab. Der Geruch war wirklich sehr sehr ekelhaft. Der Übeltäter war zum Glück schnell gefunden. Ein Gummi-Rückstau-Ventil war völlig belegt von Urinsteinartigen Ablagerungen (…der Vorbesitzer? Bäh!!!). Dieses Ventil hatten wir in weiser Voraussicht als Ersatzteil an Bord. Dennoch musste Kevin auch den Verbindungsschlauch von den braunen harten Ablagerungen befreien. Er hat sich dabei zwei Mal übergeben. Dennoch: Unsere Toilette funktioniert jetzt besser als vorher und wir alle haben Kevin für seinen übermenschlichen Einsatz gefeiert… nachdem er zwei Mal duschen war.

Aus einer Getreidemühle wird “mal eben schnell” eine Kaffeemühle

Wir hatten uns bei der Vorbereitung unserer Langfahrt darauf eingestellt, in Gegenden zu kommen, in denen man kein (Vollkorn)Mehl mehr kaufen kann. Eine Getreidemühle war die Lösung! Diese hatten wir in unserer Wohnung fleißig getestet und dann in eine Bakskiste ins Boot gepackt. In Europa, den atlantischen Inseln und auch in der Karibik bekamen wir allerdings immer eine große Auswahl von Mehlen. Die Getreidemühle musste nicht genutzt werden.

Dann kam unsere Zwangspause. In Europa werden wir immer an gutes Mehl kommen, also wurde die Getreidemühle leider absolut sinnlos… aber man kann sie doch auch als Kaffeemühle benutzen! Frischer handgemahlener Kaffee ist doch eine feine Sache. 🙂 Also kramten wir unsere Getreidemühle euphorisch aus der Bakskiste raus, um “mal schnell” einen Runde Kaffee zu mahlen… leider war die Bakskiste ein wenig feucht. 🙁 Die Wasserquelle wurde schnell gefunden und beseitigt, die Bakskiste ordentlich getrocknet. Doch das Holz der Getreidemühle war minimal aufgequollen, sodass sich die Schublade, in der das gemahlene Gut fällt, nicht mehr öffnen ließ. Nun ja, die Bodenplatte wurde daraufhin abgeschraubt (dafür reichte der allseits griffbereite Leatherman), der Abstand durch einen improvisierte Trennscheibe vergrößert und dem Kaffeegenuss stand nichts mehr im Weg.

“Hast du meine Maske gesehen?!”

Eine wirklich herrliche Situation hatten wir vor kurzem hier in Porto Santo. Wir genossen einen Mittagssnack draußen in einer Strandbar. Ich wollte “mal eben kurz” zur Toilette. “Ich muss auch ganz dringend!”, ruft da Timo. “Ich auch!”, ruft da Robin. Alleine aufs Klo gehen, wird als Mutter ja völlig überbewertet. Anyway. Ich schnappte mir meinen Mund-Nasen-Schutz, die zwei Jungs und stiefelte mit ihnen zur Toilette. Kevin, der Glückliche, entspannte derweil. Wir kamen wieder zurück und sahen Kevin, wie er hektisch Tisch, Taschen und Umgebung absuchte. “Hast du meine Maske gesehen?!”, fragte er mich leicht genervt. Meinte er die Frage wirklich ernst? Ich lachte mich schlapp… denn seine Maske hing gut sichtbar unter seinem Kinn.

5 Gedanken zu „Mal eben kurz… Alltagssituationen an Bord

  1. Echt ein Sch….job, vor allem weil er regelmäßig anfällt. Ich würde da Euren Vorbesitzer nicht allzusehr verdächtigen. Aber die Jokervalves sollte man nicht wegwerfen, ein Glas mit Essigessenz tut „Wunder“.

      1. Bei uns ist jedes der beiden (leider elektrischen) WCs spätestens alle halbe Jahr dran mit dem Jokervalve. Gewöhnt man sich aber dran und geht dann ganz schnell. Blöder ist der Schlauch, etwa alle 1 1/2 Jahre.
        Je salziger das Wasser, desto öfter.
        Trotzdem: mit viiiiiel Seewasser spülen hilft, weil dann die Urinkonzentration im Salzwasser geringer ist, diese Kombi ist für die Bildung der Ablagerungen verantwortlich.

  2. Das mir der Toilette kenne ich irgendwie. Ich weiss noch, wie unser Skipper damals geflucht hat, ganz besonders als er fand, dass jemand ein (abgebranntes) Striechholz in den Topf hatte fallen lassen. Da meine Segelzeit schon lange zurueckliegt, kenne ich allerdings nur die Bordtoilette, die das gesamte Geschaeft aussenbords pumpen.

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