LogbuchReiseSegeln

Lebenszeichen und Geschichten, die das Leben schreiben

Wir haben die erste Etappe geschafft, juhuuu! Nach anstrengenden und schönen Tagen voller Vorbereitung, Aufrüstung und Sundowner sind wir am 10. November mit der ARC+-Flotte von Las Palmas auf Gran Canaria (Kanarische Inseln) nach Mindelo auf São Vicente (Kap Verde) gestartet. Wir haben sechs Tage, sieben Stunden, dreizehn Minuten und vierundzwanzig Sekunden für 893 Seemeilen gebraucht. Durchgängig hatten wir ein Etmal (also gesegelte Seemeilen in 24 Stunden) von 145 Seemeilen. Wir sind glücklich und vor allem sehr stolz auf unsere Jungs, die diesen langen Schlag fantastisch gemeistert haben.

Die ersten Tage waren dabei alles andere als schön. Wir hatten drei Meter hohe Wellen und bis zu 40 Knoten Wind in Böen. Bäh. Ich und die Jungs waren bei dem entsprechenden Geschaukel seekrank und haben den ersten Tag nur geschlafen. Mir ging es elend und ich habe an der kompletten Reise gezweifelt. Soll ich mit den Kindern wirklich über den Atlantik segeln? Sollten wir uns nicht lieber einen VW-Bus kaufen und auf Land reisen? Warum tue ich mir das überhaupt an? Ich war auch irgendwie sauer auf die ARC, die den Start bei diesen Bedingungen durchgezogen hat. Es sei ja nicht gefährlich. Normalerweise wären wir nie ausgelaufen… aber gut. Man hat halt dieses feste Datum, das ist ein negativer Punkt der ARC. Daneben gibt es unzählige positive Punkte. Nach drei Tagen verbesserten sich die Bedingungen dann zunehmend und wir hatten bestes Genießer-Segeln. Hach, das Leben kann auf einmal so schön sein. Als wir “Land in Sicht” hatten, waren wir so super glücklich, das lässt sich schwer beschreiben.

Jetzt haben wir ein paar Tage Zeit für Bootsreparaturen und -pflege, São Vicente sowie die Nachbarinsel Santo Antão zu Erkunden, uns zu Erholen und neu mit frischen Lebensmitteln zu Proviantieren. Am Donnerstag starten wir dann die etwa 2.100 Seemeilen in die Karibik, Wahnsinn. Wir rechnen damit, dass wir etwa 2,5 Wochen für diese Strecke benötigen werden. Unsere Position, könnt Ihr wieder live verfolgen. 🙂 Die Wettervorhersage sieht diesmal vielversprechend aus.

Heute möchte ich Euch noch zwei Geschichten erzählen, die sich so keiner ausdenken kann. Die nur das Leben so schreiben kann.

Wäsche waschen ist nichts für Anfänger

In Las Palmas haben sich einige Mamas aus dem Familien-Ponton zusammengetan, um zusammen Wäsche zu waschen. Warum nicht das Nötige mit etwas Angenehmen verbinden? (Dass mir Kevin beim Wäsche waschen viel Spaß wünschte, fand ich dann doch irgendwie doof.) Abends, als die Kinder im Bett lagen, schnappten wir uns also unsere Ikea-Tüten voll dreckiger Wäsche, ein paar Flaschen Wein und Knabbereien und machten uns auf dem Weg in den Wäschesalon. Während die Wäsche wusch, dann trocknete und wir sie anschließend fachgerecht falteten, tauschten wir unsere Lebensgeschichten aus und schnackten entspannt. Auf dem Rückweg kehrten wir noch für einen Drink in einer Bar ein.

Als wir dann gegen 1 Uhr mit der frisch gewaschenen, wohl duftenden und gefalteten Wäsche bei unseren Booten ankamen, wehte ein kräftiger Wind, der unsere Serenity weg vom Steg drückte. Hierbei muss man wissen, dass man in Las Palmas mit Mooring-Leinen festmacht, das heißt man hat nur das Heck zum Einsteigen. Wir haben eine Badeplattform, die das Einsteigen normalerweise ganz angenehm macht. Wäre da nicht dieser Wind gewesen. Ich stand also mit der gigantischen Tüte vor diesem Abgrund aus Wasser. Kein Problem! Ich zog einfach an unseren Heckleinen, damit die Lücke zwischen Steg und Boot kleiner wurde. Elegant wollte ich anschließend auf die Badeplattform schreiten. Das war jedenfalls der Plan. Es machte laut “Platsch” und ich landete mitsamt der frischen Wäsche im Hafenwasser. Völlig perplex wusste ich im ersten Moment gar nicht, was ich tun sollte. Alleine käme ich nicht aus dem Wasser raus und die Wäsche machte sich auch schon selbstständig. “Hilfe! Hilfe!”, rief ich. Schon kamen die ersten angerannt und auch Kevin tauchte aus dem Boot aus. Mit vereinten Kräften kam ich elegant wie ein Wal aufs Boot und ging erstmal duschen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie dämlich ich mir in diesem Moment vorkam! Die Situation war einfach nur surreal. Sollte ich lachen oder weinen? Jedenfalls ging ich am nächsten Tag gleich nochmal die selbe Wäsche waschen. Diesmal ohne Wein.

Zu Unrecht in Ungnade gefallener Silent Wind

Während unserer Überfahrt zu den Kapverden fing unser Silent Wind, ein Windgenerator, wieder wie verrückt an zu Vibrieren. Das gibt es doch nicht! Kevin hat stundenlang die Flügelspitzen millimetergenau ausjustiert und so das Gewackel eliminiert. Es kann doch nicht sein, dass sich die Flügel einfach wieder verstellen? Ein wenig verstimmt schalteten wir den Silent Wind für den Rest der Überfahrt aus. Heute schraubte Kevin die Rotorblätter ab, um dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Und was entdeckte er da? Schuppen! Es fiel uns wie Schuppen von den Augen (Wortwitz, haha). Da musste ein fliegender Fisch in den Windgenerator gekracht sein. Fliegende Fische hatten wir nämlich während der Überfahrt sehr häufig gesehen und auch ein paar an Deck entdeckt. Die können wirklich hoch “hüpfen”. Jetzt haben wir unseren Silent Wind wieder lieb. 🙂 Hoffen wir mal, dass kein Delfin, Hai oder Wal in den Silent Wind kracht…

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