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Galizien #3 – Trauminsel und Märchenstädte – Ria de Arousa, Illa de Ons, Ria de Pontevedra

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Das große Tief, vor das wir uns in Villagarcia de Arousa in Sicherheit gebracht hatten, hat sogar einen Namen bekommen: Sturm Miquel. Drei Seenotretter sind dabei ums Leben gekommen. Wir trauern mit, schicken den Angehörigen viel Kraft und sind dankbar, dass wir in einem sicheren Hafen lagen. 

Ria Arousa – Villagarcia, Santiago de Compostela und Ankerbuchten

Wie bereits erwähnt, waren wir in der Ria de Arousa, der größten der galizischen Rias. Sie ist gespickt mit unbetonnten Untiefen, wunderschönen Stränden und den sogenannten Viveros. Vivero heißt übersetzt Kindergarten, Baumschule oder Fischteich. Bitte was? Oder auf hessisch: hä?! In unserem Falle sind es Holzfloße auf, beziehungsweise unter denen Muscheln gezüchtet werden. 🙂

Wir waren hauptsächlich in der Marina von Villagarcia (hässliche Aussicht, perfekte Lage, sehr freundlich, W-Lan ging natürlich nicht) zum Abwettern und waren von dem Mannheimer Charme fasziniert. 70er Baustil, wunderschöne Parks, hässliche Plätze, herzliche Menschen, ein riesengroßer Markt, Verfall, tausende Spielplätze. Von hier starteten wir unseren Tagesausflug mit dem Zug nach Santiago de Compostela. Die Kinder fanden das Zugfahren natürlich super. Santiago de Compostela umgibt eine schöne Stimmung… Pilger, Einheimische, Studenten, Berufstätige, Touristen, jeder und jede versammeln sich am Endpunkt des berühmten Jakobsweges, des Caminos. In der Kathedrale liegt angeblich die Grabstätte des Apostels Jakobus, wir haben sie auch besucht. Wenn die Jungs älter sind, werden wir den Camino vielleicht auch zu Fuß angehen. Es muss unglaublich sein, nach langem Marsch an der Kathedrale anzukommen.

Beeindruckend…

Nach dem Sturm Miquel zog es uns wieder zu mehr Anker-Flair. Wir waren eine Nacht vor Escarabote. Kevin hat einen Männer-Landausflug gemacht (Es gab nur einen riesen Spielplatz und eine Bar, direkt davor. Alle hatten also Spaß. 🙂 ) und ich hatte Zeit für mich. Herrlich! Am nächsten Tag waren wir noch kurz vor Anker vor der Illa de Arousa (schöner Strand, schöne Landschaft, Bars direkt am Strand), doch dann zog es uns zu der größten der vier Inseln, die in Galizien als Nationalpark gelten, der Illa de Ons.

Illa de Ons – Südeseetraum für Nackedeis

Um hier an Land gehen zu können benötigt es eine Durchfahrtsgenehmigung und zusätzlich eine Ankererlaubnis. Steffi und Jörg haben das in ihrem Blog sehr schön erklärt, vielen Dank dafür! Bei uns hat dank ihnen alles einwandfrei funktioniert. 🙂 Wir entschieden uns allerdings gegen die Bojen vor der Anlegestelle der Fähren und sind an den nördlichen Strand vor Anker gegangen. Unglaublich, an diesem Traumstrand waren wir tatsächlich zwei Nächte komplett allein. Aber Achtung: Der abgeschieden Strand wird vorallem von Nudisten gerne besucht. Uns störte das nicht und so konnten die Jungs nackig und ich Oben-Ohne entspannt die Sonne und das Meer genießen.

Ich bin dann vom Nordstrand zum Zentrum der Insel gelaufen, Kevin ist mit den Jungs Dinghi gefahren. Auf der Illa de Ons ist es verboten Pflanzen zu pflücken, die Tiere zu stören und Musik zu hören. Außerdem soll man auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und seinen Müll natürlich mitnehmen. Die Natur kann sich so völlig frei entfalten. Pinienwälder, Farne und Gräser sprießen, die Vögel zwitschern, die Insekten summen. Salamander und Hasen habe ich auch entdeckt. Man hört wirklich nur Naturgeräusche, es ist wirklich traumhaft.

Ria de Pontevedra – verliebt in Combarro

Starkwinde zwangen uns aber auch wieder weiterzuziehen. Mal schauen, ob wir die Illa de Ons nochmal besuchen… sind ja keine Wege hier. 🙂 Wir entschieden uns für die Ria de Pontevedra und für Combarro. Das war eine gute Wahl! Wer in Galizien ist, sollte diesen Ort nicht verpassen. Auch hier liegen wir vor Anker und können so das Treiben der Fischer schön beobachten. Um das fruchtbare Land nich mit Häusern zu besetzen, hatten die Einwohner ihre kleinen Häuser auf purem Granit entlang der Küste gebaut. Wer es sich leisten konnte, hatte sich einen Balkon zur Meerseite gegönnt. Hórreos – rechteckigen Speicher auf Stelzen, damit keine Nagetiere an das kostbare Gut kommen – stehen vor den Häusern und dienten zur Lagerung von Getreide oder zum Fisch trocknen. Cruceiros, Steinkreuze, säumen die Wege. Sie dienen als Wegmarkierung aber auch zum Schutz vor bösen Geistern und Hexen. Interessant ist die Blickrichtung von Jesus (schaut zum Land) und Maria (schaut aufs Meer).

Wir sind sehr dankbar, dass wir Galizien noch ein wenig weiter erkunden können…

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