Land & LeuteLogbuchReiseSegeln

Galizien #2 – Percebes aka Entenmuscheln, die keine Muscheln sind – Muxia und Muros

Wie war es also nachts entlang der Costa da Morte, der Todesküste, zu fahren? Hier unser kurzes Fazit. Vorteil: Kinder schlafen, dadurch ist es für sie entspannt – sie wachen einfach an einem neuen Ort auf – und für uns entspannter, da wir uns voll aufs Segeln konzentrieren können. Nachteil: Wenig Schlaf für die Erwachsenen und man sieht nichts von der Küste. Hat also beides Vor- und Nachteile. Wir werden in Zukunft bei schaukeligen unangenehmen Bedingungen eher nachts fahren und bei guten tagsüber.

Muxia, das Ende des verlängerten Jakobsweges

Muxia? Wollten wir nicht eigentlich nach Camariñas? Ja, da waren wir auch eine Nacht vor Anker. Das Gebrumme der Fischfabrik hat uns aber genervt, da sind wir spontan in den sehr schönen Hafen von Muxia (W-Lan ging natürlich wieder nicht) gewechselt. Vorher sind wir aber alle noch bei 18 Grad Wassertemperatur ins Wasser gehüpft, das war sooo schön erfrischend. Um die Kinder zu zitieren: “Kaaaalt!” 🙂

Muxia ist ein eigentlich kleiner beschauliches Fischerdorf. Da der verlängerte Jakobsweg hier endet, sind sehr viele Pilger zu sehen. An der Spitze der Landzunge steht die Kirche A Virxe da Barca (unsere Liebe Frau vom Boot), wo der Legende nach die Mutter Gottes auf einem Schiff gelandet sein soll, um dem Heiligen Jakob bei der Bekehrung der Menschen zum Christentum zu unterstützen.

Da die Percebes, zu deutsch Entenmuscheln (sind aber eine Art Krebstier), an der Todesküste die besten der Welt sein sollen, haben wir sie natürlich auch probiert. Ja, sie sehen sehr seltsam, um nicht zu sagen “abstoßend”, aus. Die beliebten Meerestiere werden lediglich kurz in Meerwasser/Salzwasser gekocht. Dann knickt man sie in der Mitte und zieht die ledrige schwarze Haut ab. Übrig bleibt eine Art Fleischpimmel (ich hätte auch Fleischstil sagen können…), den man abknabbert. Robin und Timo fanden sie jedenfalls lecker. 🙂 Wir auch. Der Geschmack und die Konsistenz erinnern ein wenig an Tintenfisch. Lecker ja, außergewöhnlich nein. Gut, dass wir sie probiert haben. Im Moment können wir uns allerdings in die Zamporiñas a la plancha, gegrillte Jakobsmuscheln, reinlegen. Die sind sooo gut hier!

Muros, als Ankerlieger unerreichbare schöne Stadt

Am Samstag zog es uns bei besten Bedingungen in die erste Ria, in die Ria de Muros. Dabei haben wir auch das berühmte Cabo de Finisterre oder zu deutsch Kap Finisterre passiert. Übersetzt heißt es “das Ende der Erde”. Er gilt als der westlichste Punkt Europas, der liegt allerdings in Portugal, etwa 40 Kilometer westlich von Lissabon.

Vor Muros haben wir in einer schönen Bucht den Anker geworfen. Am Sonntag sind wir mit unserem Dinghi losgezogen und haben die Stadt erkundet. Da wir bekanntlich mit zwei kleinen Kindern unterwegs sind, haben wir in der Marina an einem Schwimmsteg festgemacht, wohlwissend dass die Spanier sehr kinderfreundlich sind und da sicher nichts dagegen haben werden. Bisher hatte jedenfalls nie jemand etwas dagegen, im Gegenteil – wir wurden mit unserem Dinghi immer herzlich begrüßt. Muros hat eine sehr schöne Altstadt mit vielen engen verwinkelten Gassen. Als wir wieder zu unserem Dinghi kamen, schlenderte “Klaus” der Hafenmeister auf uns zu. Wir dürften hier nicht festmachen, das wäre eine private Marina. Er wüsste nicht, wo wir sonst festmachen könnten, aber wir sind jederzeit mit unserer Yacht willkommen. Bitte was? Das war wirklich typisch deutsch. Kevin und ich waren von dieser Begegnung der dritten Art jedenfalls sehr geschockt, denn wir haben alle Spanier sehr herzlich, gastfreundlich und vor allem kinderlieb erlebt. Als wir die anderen Yachten im Ankerfeld nach ihren Dinghi-Anlegern fragten, haben sich alle über den “sehr freundlichen deutschen” Hafenmeister fast schon lustig gemacht. So kann man potenzielle Marina-Gäste auch vergraulen… die hätte es nämlich definitiv gegeben, aber so hatte keiner aus dem Ankerfeld mehr Lust in den Hafen zu fahren.

Ein Sturmtief zog auf uns zu, deswegen waren wir gar nicht so traurig, die Ria zu wechseln. Bei wieder besten Bedingungen sind wir also in die größte der galizischen Rias, der Ria de Arousa, in den Hafen von Vilagarcia de Arousa geschippert. Sehr spannend war die Fahrt zwischen den unbetonnten Untiefen… Morgen kommt der Sturm mit Orkanböen nun an, den wir im Hafen gut abwettern werden. Viel spannender als der Sturm: Wie bespaße ich zwei Dreijährige den ganzen Tag im Boot?! 😉 Beim nächsten Mal mehr…

8 Gedanken zu „Galizien #2 – Percebes aka Entenmuscheln, die keine Muscheln sind – Muxia und Muros

  1. Entenmuscheln! Lecker… wenn ich in Portugal bin, muss ich sie immer essen 🙂 Kinderbespaßen… Hörbücher, basteln, … aber das hast du alles gut im Griff 🙂 bist eine tolle Mutter und ein sehr kreativer Mensch!

  2. Wieder ein toller Beitrag mit wunderschönen Bildern, vielen Dank. Das macht große Lust, Galizien für die Rückfahrt auf alle Fälle auf die Route zu legen.

    1. Hallo Ralf,
      vielen Dank! 🙂
      Ja, das müsst ihr unbedingt machen! Die Islas und Rias sind sehr sehenswert und das leckere Essen darf man nicht verpassen!
      Liebe Grüße
      Christina und ihre Männer

  3. Dieser Bericht. Ist einfach toll, man kann richtig mitleben. Um die Kinder zu besaßen 😀 einfach PARTY machen! 🙋👬💕

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.