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Funchal, die Geisterstadt

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Zugegeben, der Titel ist ziemlich überspitzt. Ohne die Kreuzfahrtschiffe, die normalerweise für regelmäßige Touristenmassen sorgen, ist es in Funchal aber tatsächlich angenehm leer. Man sieht, dass die Stadt auf wesentlich mehr Menschen eingestellt ist. Umso mehr genießen wir die Zeit im schönen Funchal.

Die Zona Velha – bunte Türen und normalerweise Party

Wie erhofft, haben wir am Dienstag unser “negativ” im Corona-Test bekommen und durften pünktlich vor dem Starkwind in die Marina. Als erstes stand Einkaufen (wir hatten nur noch zwei schrumpelige Limonen an frischen Lebensmitteln) und Wäsche waschen (wenn so langsam die Unterwäsche ausgeht…) auf dem Programm. Danach ging es in die Altstadt, der Zona Velha. Früher hausten hier nur Kriminelle und Prostituierte, heute ist es ein angesagtes Ausgehviertel mit vielen Restaurants, Kneipen und Hostels. Auffällig sind die wundervoll bemalten Türen, die uns sehr begeisterten. Es ist das Kunstprojekt The arT of oPEn doORs, eine Open-Air-Galerie, bei der Künstler Haustüren als Leinwand nutzen.

Poncha und Espada – das kulinarische Madeira

Wir lieben ja Märkte und kaufen da gerne ein. Es ist frisch, regional und saisonal. In Cascais hat man nahezu nur Einheimische im Markt getroffen und das Markttreiben ist immer spannend. Der “Mercado dos Lavradores” in Funchal ist leider auf Touristen ausgerichtet… zumindest im Erdgeschoss. Wir wussten das und sind trotzdem hin, denn wir wollten die vielen Obst-Spezialitäten probieren. Im ersten Stock und auf Straßenständen kaufen dann die Locals ein, allerdings eher die “üblichen” Obst- und Gemüsesorten.

Es gibt auf Madeira unter anderem zehn verschiedene Maracuja-Sorten (was haben wir frische leckere Maracuja vermisst! In der Karibik waren wir da sehr verwöhnt…), verschiedene Drachenfrucht-Sorten (super lecker!) und die Ananasbanane (ok…).

Das leckere Nationalgetränk auf Madeira (neben dem Madeirawein – die Verkostung steht noch aus) ist die erfrischende Poncha. Es erinnert an das französisch-karibische Ti Punch, nur nicht so stark. Ein traditionelles Essen ist der (hässliche…) schwarze Degenfisch aus der Tiefsee (portugiesisch Espada), der mit gegrillten Bananen serviert. Die Kombination klingt seltsam, schmeckt aber seltsamerweise sehr lecker. Milho Frito ist eine typische Beilage aus Maismehl, quasi knusprige Polenta-Pommes, die Jungs fanden sie sehr lecker. Unser Favorit ist aber der Bolo de Caco. Ein kleines Fladenbrot aus Süßkartoffeln und Mehl, das vor dem Essen mit Kräutern und Öl/Butter nochmal gegrillt wird… hmm.

Monte – Seelenstreichler und ein Kamikaze-Bus

Mit der Gondel ging es an einem anderen Tag bergauf nach Monte. Hier haben wir den Jardim Tropical Monte Palace, den Tropischen Garten, besucht. In dem wunderschönen Garten sind viele japanische Elemente eingebaut, die von der japanisch-portugiesischen Vergangenheit zeugen. Die Jungs fanden die Kois sehr spannend. Robin hätte am Liebsten einen gleich “verputzt”… wir konnten ihn davon abhalten, einen zu angeln. Fast alleine liefen wir durch diese beeindruckende Anlage. Ein richtiger Seelenstreichler.

Eigentlich wollten wir dann mit den berühmten Carreiros do Monte, den Korbschlitten, bergab flitzen. Leider machen sie wegen Corona gerade eine Pause… die Enttäuschung bei uns allen war groß. Spontan sind wir dann mit dem Bus zurück nach Funchal geflitzt. Die Busfahrt war in den steilen engen Straßen und mit unserem Busfahrer wahrscheinlich aufregender als die Korbschlittenfahrt.

Jetzt geht es mit dem Auto los!

Seit Samstag haben wir für eine Woche ein Auto gemietet und erkunden damit die Insel. Im Moment sind wir hier auf Madeira noch sehr frei, mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz natürlich. Alles ist offen, auch Restaurants und Geschäfte. Zumindest bis 18 Uhr am Wochenende und bis 19 Uhr unter der Woche. Ab dann gilt eine strenge Ausgangssperre und wir sind auf dem Boot… was wir ohnehin wären. Welche Maßnahmen ab Februar beschlossen werden, ist komplett offen. Also nutzen wir diese Woche maximal für Ausflüge, von denen wir im nächsten Blogpost berichten. 🙂

Kurz: Uns geht es gut. Durch die Wärme haben wir ein entspannteres Bordleben. Die Heizung ist komplett aus, wir können im Cockpit essen und abends, wenn die Kinder schlafen, draußen unseren Feierabend-Sundowner genießen.

Ein Gedanke zu „Funchal, die Geisterstadt

  1. Funchal kenne ich nur als “schnelle Zwischenstation” auf einem Ueberfuhreungstoern von Gran Canaria nach Ibiza. Wir amen damals nach drei Tagen von Teneriffa aus morgens in Funchal an und hatten nur Zeit zum Wasser und Proviant bunkern sowie zu Duschen. Dann ging’s schon wieder weiter: 5 Tage auf Backbordbug hoch am Wind [5 bis 6 Bft.] gegenan bolzen, dann eine Wende und 2 Tage lang auf Steuerbordbug bei abnehmenden Windstaerken, aber immer noch hoch am Wind, Richtung afrikanische Kueste. Es war nicht so ganz das reine Vergnuegen, weil das Schiff nicht trocken war. Ich hatte nur nich eine Garnitur trockener Unterwaesche, und die ist bis zum endgueltige Ziel in Spanien in einer Plastiktuete geblieben, weil ich wusste, dass sie sonst in ganz kurzer Zeit auch nass sein wuerde. Gut, dass man seinen eigenen “Duft” kaum riecht. 😉

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