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Endlich wieder alle an Bord! Und: Strecke, Strecke, Strecke…

Jaaa, es geht wieder los! Wir sind wieder alle an Bord und setzten unsere Reise fort, hurra! Eigentlich gingen wir von einer Segelpause von etwa einem Jahr aus. Schnell zeichnete sich allerdings ab, dass uns Corona noch eine ganze Weile länger begleiten wird und zudem kein Killervirus ist, der die gesamte Bevölkerung binnen weniger Wochen tötet… warum also weiter warten? Unsere Zeit für „nach der Reise“ ist so weit vorbereitet, wir haben die Zwangspause sinnvoll genutzt und bestmöglich genossen, schöne Berghüttenurlaube gemacht, die Familie und Freunde gesehen, die Berge erkundet. 

Corona-Blues

Was nicht heißt, dass (vor allem) ich, schlechte Tage hatte, in denen ich unglücklich und traurig war. Innerlich zerrissen war. Mein Herz wäre noch gern in der Karibik. Frische Kokosnüsse essen! Zu heißen Quellen wandern, am Strand entspannen, schnorcheln. So plötzlich und grausam wurden wir da raus gerissen. Mein Kopf weiß, dass unsere Reise in Europa in dieser Extremsituation am Ehesten und unbeschwert möglich ist. Ich fluchte auf Kevin, fluchte auf die Welt und fluchte wieder auf Kevin. Jeder hat so sein Thema mit Corona. 

Wir nehmen Corona nach wie vor ernst, nehmen den Virus nicht auf die leichte Schulter und machen alles dafür, nicht zu erkranken. Aber auf eine Impfung oder Ausrottung des Virus zu warten, bis wir unsere Reise fortsetzen, ist nicht absehbar. Von daher: Leinen los!

Auf dem Weg zu Serenity… im wahrsten Sinne

Kevin hatte Serenity in der Zwischenzeit teilweise alleine, teilweise mit Unterstützung bis nach Avilés (das liegt in Nordspanien in Asturien) gebracht. Dort wartete unser liebes Segelboot 2,5 Monate auf uns. Ein bisschen… oder ein bisschen sehr nervös machte uns, dass Spanien seine regionalen Grenzen als Gegenmaßnahme der zweiten Welle schloss. Kommen wir überhaupt zu unserem Segelboot? Die strengen Maßnahmen in Guadeloupe stecken uns noch in den Knochen. Der deutsche Konsul Asturiens erstellte uns netterweise ein Schreiben in Spanisch, dass wir nicht aus Touristischen Gründen reisten, sondern eine „Yacht in Transit“ seien und nach Portugal weiter segeln möchten. Am Dienstag flogen wir vollbepackt von Frankfurt über Barcelona nach Avilés. In Barcelona mussten wir unseren QR-Code zeigen, wie alle ausländischen Einreisenden, ansonsten hatten wir  wider Erwarten keinerlei Probleme zu unserer Serenity zu kommen. Da fiel uns ein riesiger Stein vom Herzen!

Corona hat auch was Gutes?

Angekommen überfiel mich so ein immensen Glücksgefühl, das ich nicht erwartet hätte. Endlich wieder zu Hause! Und den Kindern ging es genauso. „Papa, leinen los zur Abenteuerfahrt!“ Donnerstag zeichnete sich schon ein seltenes Wetterfenster für die Jahreszeit ab, um weiter Richtung Westen zu segeln. 

Unsere jetzige Devise ist: Strecke machen. Denn wir wollen so schnell wie möglich nach Madeira und dort den Winter verbringen. Madeira ist quasi Coronafrei, da alle Einreisenden einen Test machen müssen (bis zum Ergebnis warten man im Hotel/Ferienhaus/Segelboot) und es sind dort durchschnittlich 20 Grad im gesamte Jahr. Viele unserer Segelfreunde schwärmten von Madeira und Porto Santo als einer ihrer bisherigen Highlights. Eine lustige Anekdote haben wir auch. Damals, als wir Ende August 2019 von Lissabon nach Marokko segelten und nicht nach Madeira meinten wir, dass wir irgendwann auch noch nach Madeira segeln würden… dass „irgendwann“ so schnell kommt, hätten wir allerdings nicht gedacht. Danke, Corona. 😉

Wir lieben A Coruña

Am Freitag kamen wir nach 24 Stunden Motoren (Wir hassen es… aber lieber Motoren als zu viel Wind. Wie gesagt: Strecke machen!) in A Coruña an. Auch hier konnten wir ohne Probleme einreisen. Im Mai 2019 waren wir hier schon nach einem kurzen Zwischenstopp in Cedeira nach unserem Biskaya-Crossing. Was für Erinnerungen! A Coruña ist einfach eine fantastische Stadt mit tollem Flair. Die Marina liegt mitten in der Stadt, ein großer schöner Spielplatz, Einkaufsmöglichkeiten sowie die Altstadt sind wenige Minuten entfernt. Als Gegenmaßnahmen der zweiten Welle sind hier wie auch in Deutschland leider die Restaurant zu… Unsere Lieblings-Jamoneria hatte allerdings auf (hurra!) und wir haben uns ordentlich mit Chorizo und Jamon eingedeckt. Die Wurst in Portugal ist für uns nämlich ungenießbar…

Ein nächstes Wetterfenster

Morgen geht es schon wieder weiter, ein neues kleines Wetterfenster hat sich aufgetan. Vielleicht kommen wir direkt nach Portugal und wir entkommen einem möglichen kompletten Lockdown und möglichen Festsitzen in Spanien. Wir werden berichten. 

15 Gedanken zu „Endlich wieder alle an Bord! Und: Strecke, Strecke, Strecke…

  1. Hallo ich finde die Verharmlosung des Corona Virus schon etwas merkwürdig 2,3 Millionen Tote weltweit? Egal ob man das Killervirus nennt oder sonst wie ist das ist eine unglücklich gewählte Formulierung.
    Bleibt gesund!

      1. Hatte ich nun schon geantwortet? Licht und Schatten… Grenzen sind immer noch geschlossen. Wir sind seit dem 20. August in Valdivia müssen offiziell an Bord bleiben, nur das Hafengelände ist geduldet. Ich habe vorhin auch gerade ein etwas ausführlicheres Quarantäne-Update bei uns gepostet. 😇

  2. Deine Berichte im Logbuch, liebe Christina, haben mir gefehlt. Deshalb freue ich mich mit Euch, dass es weitergeht 😍.
    Ich liebe es mit Euch virtuell mitzureisen.
    Grüße an Deine Männer und ✊🏻✊🏻

    1. Das freut mich, liebe Heike! 🙂 Mir hat das Schreiben auch unglaublich gefehlt…
      Ganz liebe Grüße und danke fürs Daumendrücken. 💐

  3. Ich wünsche euch alles Gute und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel! Sagt man doch so. Eine schöne Zeit in Madeira! Grüße Conny Hommel ( Hebamme)

      1. Gerne.
        Habt Ihr eigenlich mal etwas von der Crew der Mahananda gehoert? Ich habe mal versucht, mit Ulli und Christoph per Email Kontakt aufzunehmen, aber keine Antwort bekommen. Ich hoffe, dass es den beiden gut geht.

          1. Ja, das hatte ich mitbekommen. Sie hatten ja Ihr Boot Hals ueber Kopf verlassen muessen, um dem drohenden Lockdown zu entgehen. Und sie konnte das Boot noch nicht einmal aus dem Wasser holen und an Land sicher und geschuetzt lagern. Das tut mir in der Seele weh.
            Ich hoffe, dass es ihnen jetzt zuhause in Oesterreich gut geht.
            Liebe Gruesse,
            Pit

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