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Einmal den Pausenknopf bitte – zurück in Deutschland

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Seit dem letzten Blogpost ist einiges passiert. Tadaa, wir sind nämlich wieder in Deutschland. Bitter. Kalt. Aber notwendig.

Was ist also passiert? Uns war klar, dass die Grenzen als letzte Maßnahme wieder geöffnet werden und die Ausgangssperre lange andauern wird. Generell wird die Corona-Krise nicht schnell vorbei sein, so realistisch muss man sein. Wollen wir solange mit unseren vierjährigen Zwillingen auf dem Boot sitzen und warten? In Deutschland könnten wir die Zwangspause sinnvoll nutzen und uns um Organisatorisches kümmern. Unser geliebtes Boot alleine vor Anker lassen würde allerdings einer Aufgabe gleich kommen…

Special Agent Christina und Kevin – Dreistigkeit siegt

Wir sind schließlich in einer Nacht- und Nebelaktion mit viel Glück und dank der Hilfe unserer Freunde von der SY Silkap in die Marina gekommen. Die Marina ist nämlich geschlossen, das heißt man darf weder ein- noch auslaufen. Die Marinepolizei patrouilliert regelmäßig. Wir hatten mit der Marina per E-Mail Kontakt und ihnen unsere Lage geschildert (natürlich haben wir alle Register gezogen und süße Kinderbilder beigefügt 😉 ), sie versprachen uns zu helfen. Daja (nochmal tausend Dank!!!) von der Silkap hat parallel in der Marina nach einem freiem Platz Ausschau gehalten. Ihr Stegnachbar war illegal im Hafen und wollte frühmorgens Richtung Martinique aufbrechen. Unsere Chance! Um fünf Uhr morgens lichteten wir den Anker und machten gegen sechs Uhr in der Marina fest. Puh!

Hier könnten wir vorerst unsere Serenity lassen und nach Deutschland fliegen, um mit freierem Kopf und mit weniger Druck alles zu überdenken und gegebenenfalls Schritte in die Wege zu leiten. Zügig haben wir Flüge gebucht, schnell noch Koffer gekauft (brauchten wir ja schließlich nicht), eine ansäßige Firma beauftragt nach unserem Boot zu schauen, verderbliche Lebensmittel verteilt, das Boot “winterfest” gemacht.

Den Kindern haben wir möglichst fröhlich erzählt, dass wir einen tollen Ausflug mit dem Flugzeug machen. Sie verstehen die Problematik mit Corona recht gut, wir reden auch viel darüber. In den Ellenbogen husten und niesen, nichts anfassen, Abstand halten. Papa muss beim Einkaufen einen Mundschutz und Handschuhe tragen. Beim Händewaschen zwei Mal “Happy Birthday” singen. Sonst hüpft Corona in unseren Körper und wie werden krank. Ich kann allen Eltern übrigens das Erklärvideo der Stadt Wien sehr ans Herz legen.

Natürlich fragen sie viel nach unserem Boot und man merkt, dass sie echte Segeljungs sind. “Wer passt auf unser Boot auf?” “Wann sind wir wieder bei unserem Boot?” Beim Fliegen: “Wann landen wir an?” Beim (elektrischen) Herd anstellen: “Kann ich das Feuer anmachen?” Beim Duschen: “Das reicht, sonst ist das Wasser alle.” 😀 Sie machen das alles erstaunlich gut mit…

Und nun?

Wie geht es nun weiter? Im Moment sind wir bei lieben Freunden untergekommen. Hier haben wir unsere eigene Etage mit Bad und Kochgelegenheit. Wir haben uns 14 Tage unter Selbstquarantäne gestellt.

Dass unsere Reise weitergehen wird, ist klar. Wie lange die Zwangspause sein wird und wo die Reise weitergeht, steht noch in den Sternen. Es wird also nicht mehr, wie bisher, jede Woche einen Blogpost geben. Wir halten Euch aber auf dem Laufenden!

Dinge, die ich überraschendereweise genieße

  • Kaffee per Knopfdruck
  • Toilette per Knopfdruck
  • Der Geruch von Wald
  • Europäisches Vogelgezwitscher
  • Weintrauben
  • “Deutsche” saure Gurken (die französischen, spanischen, portugiesischen und die in der Karibik sind soooo eklig sauer)
  • Kalte Luft im Gesicht
  • Breite Türen
  • So lange warm duschen, wie man mag
  • WiFi!
  • Unser erstes Essen hier war übrigens ein Döner 😀

Dinge, die ich überraschenderweise nicht mag

  • Wow, ist das trocken hier! Meine ganzen Schleimhäute, meine Lippen und auch die Haut an Händen und Gesicht sind ausgetrocknet.
  • Wow, wird in Deutschland wenig gegrüßt und gelächelt! Da sind wir in der Karibik wirklich verwöhnt worden – auch während der Krise.
  • Es gibt keine frischen Kokosnüsse.
  • Es gibt kein Meeresrauschen.
  • Ich kann nicht vor dem Frühstück ins Meer hüpfen.

5 Gedanken zu „Einmal den Pausenknopf bitte – zurück in Deutschland

      1. Eigentlich entspannt. Wir haben Strom, Wasser, Duschen, Supermarkt und die Familie ist zusammen und zu Hause (also auf der Samai ;-). Eigentlich wollen wir ja nach Chile, das ist bei geschlossenen Grenzen aber so eine Sache… ich sage mal wir arbeiten daran. LG, Micha

  1. Es freut mich, dass Ihr wieder in Deutschland seid und nicht diese Pandemie auf Eurem Boot aussitzen muesst. Und fuer Euer Boot wuensche ich, dass es Eure Abwesenheit gut uebersteht. Ich habe auch von Ulli und Christoph mitbekommen, dass sie Ihre Maha Nanda Hals ueber Kopf verlassen mussten – leider im Wasser und nicht im Trockenlager an Land – weil sie sonst auf Gran Canaria festgesessen haetten.
    Liebe Gruesse und bleibt gesund,
    Pit
    P.S.: “Das reicht, sonst ist das Wasser alle.” – Das ist mir auch heute noch in Fleisch und Blut.

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