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Eine beschissene Überfahrt und die kanarische Leichtigkeit

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Seit knapp zwei Wochen sind wir auf den Kanarischen Inseln. Endlich sind wir wieder im Paradies! Wir brauchten ein wenig Zeit, um uns von den Strapazen zu erholen, deswegen hat dieser Blogpost ein wenig auf sich warten lassen. Doch was war passiert?

Am Montag, den 16. September haben wir wie geplant in Rabat abgelegt. Unsere Drohne haben wir problemlos wieder zurückbekommen und auch der Drogenhund war wieder zu Besuch. Insgesamt hat das Ausklarieren deutlich kürzer gedauert als das Einklarieren. Die Überfahrt war soweit relativ unspektakulär und das Segeln richtig schön. Wären da nicht die Wände aus Fischernetzen gewesen, denen wir ausweichen mussten… Die Fischer haben uns mit Taschenlampen freundlicherweise angeblinkt. Wenn wir nur gewusst hätten, was sie uns sagen wollten. “Hallo, hier nicht lang.” oder “Ihr könnt hier drüber fahren.” oder “Wehe Ihr kommt uns zu nahe.” oder “Lust auf einen Minztee?” Nun ja, wir sind großzügig ausgewichen.

Nebenbei Segeln

An Tag vier der Überfahrt aber passierte es. Wir alle wurden krank. Timo fing an zu brechen, dann bekam ich schlimmen Durchfall, dann bekam Robin im Salon Durchfall (Wie Ihr Euch vielleicht erinnert: Wir sind jetzt Windelfrei. Den Rest überlasse ich Eurer Fantasie…), dann erwischte es noch Kevin (Laut ihm war es der schlimmste Durchfall, den er je hatte.), Robin hat dann auch noch angefangen zu spucken, sprich: es war ein reines Desaster! Zwischen Toilettengängen war dann Bettwäsche wechseln, Trösten, Umziehen und Schlafen angesagt. Wir segelten so nebenbei auch noch weiter, zum Glück hatten wir gute Bedingungen. Alle verderblichen Lebensmittel aus Marokko gingen schnurstracks über Bord.

Die Nordseite von Lanzarote. Wir machten uns auf den Weg nach La Graciosa.

Völlig entkräftet kamen wir nach einer weiteren Nacht in La Graciosa an und ankerten dort. Es ist schlimm, wenn die Kinder krank sind, vor allem bei Brech-Durchfall. Aber wenn du selbst und auch noch dein Mann krank sind (Ich brauche hier nicht zu erwähnen, ob die kranken Kinder oder der kranke Mann anstrengender waren…), dann wird das ganze schnell kritisch. Unsere Routine, die wir mittlerweile haben, kam uns da zu Gute. Mit jedem längeren Schlag sammelten wir Erfahrung und über vieles müssen wir nicht mehr nachdenken. Die akuten Entleerungen (Ja, in diesem Blog kriegt Ihr die ungeschönte Wahrheit 😉 ) waren nach einem Tag zum Glück vorbei und wir schöpften langsam wieder Kräfte. Bis unser Magen-Darm-System wieder problemlos funktionierte, dauerte es allerdings noch ein wenig.

Lanzarote, die Vulkaninsel

Nach vier schönen Nächten vor Anker ging es im kurzen Schlag nach Arrecife auf Lanzarote. Da warteten schon unsere französischen Freunde von der Babar und die Wiedersehensfreude war riesig. Endlich wieder Apéro. 🙂 Die Marina ist sehr schön und neu, nur das WiFi war mal wieder solala und die Waschmaschine hat nicht wirklich gewaschen. Ich hasse diese 30 Minuten-pseudo-Profi-Waschmaschinen, die man in Marinas oft findet, dabei geht kein Fleck raus. Die Leiden der Langfahrten-Mutter mit zwei Dreijährigen, die gerade Windelfrei geworden sind.

Kevin hat in der Marina nach vielen Rumtüfteln die komplette Antenne im Mast ausgetauscht (Wir hatten sie im April neu in Lorient installieren lassen… no comment.) sowie dabei VHF und AIS in zwei Antennen gesplittet. Jetzt funktioniert wieder alles einwandfrei und sogar noch besser, juhuuu! Hören diese Bootsprojekte denn nie auf? Das ist eine rhetorische Frage… denn sie hören nie auf. Ein Tag “Fun-Day” musste aber sein und so haben wir mit einem Mietauto die Insel erkundet. Es ging zur Cueva de los Verdes (einer Lavahöhle), zu einer Bodega (Winzerei, ein paar Flaschen haben unsere Proviantierung natürlich erweitert) und zu den Montañas del Fuego, dem Vulkan-Nationalpark.

Nach vier Nächten haben wir uns von unseren Freunden vorerst verabschiedet und wechselten zur Ankerbucht vor der Playa de Papagayo. Wir sind einfach Anker-Segler. Diese Freiheit und Verbundenheit zur Natur lieben wir. Vom Boot ins Wasser hüpfen, mit dem Dingi rumflitzen, die Ruhe genießen – da geht unser Herz auf. Nach einer Nacht wollten wir im langen Schlag nach Teneriffa wechseln. Unendlich Zeit haben wir nicht, um die Kanarischen Inseln zu erkunden. Spätestens am 21. Oktober wollen wir nämlich in Las Palmas sein, um uns auf die Antlantiküberquerung vorzubereiten.

Oh du Düse nach Teneriffa

Nun ja, dies wurde zum bisher schlimmsten Schlag unserer Langfahrt. Wir hatten eine eklige, kurze Welle von der Seite, Halbwind-Kurs hatten wir seit der Biskaya nicht mehr und der Wind war mit dauerhaft über 30 Knoten deutlich stärker als gemeldet. Wir hatten mit Fock und Groß im dritten Reff dennoch eine Spitzengeschwindigkeit von teilweise 9,4 Knoten (Unsere Rumpfgeschwindigkeit sind acht Knoten…), nur mit Groß im dritten Reff eine Geschwindigkeit von über sieben Knoten. Der Autopilot kam mit diesen Kräften nicht klar und so musste Kevin per Hand steuern. Timo, unser Seekranker Nummer eins, hat nur gespukt und mir ging es auch so mittel. Also entschlossen wir uns nicht wie geplant in die Ankerbucht, sondern in den Hafen Santa Cruz zu gehen. Sicherheit geht immer vor.

Kevin und ich haben übrigens einen “Dauerstreit” zu dem Thema. Ich bin ein wahrer Anker-Freak. Er bevorzugt das Ankern auch, findet aber Marinas ebenfalls gut. Ich: “Ich hasse Marinas!” Er: “Ich will auch lieber ankern, aber das war die richtige Entscheidung.” Ich einige Zeit später: “Hach, das wäre sooo schön, wenn wir jetzt vom Boot ins Wasser hüpfen könnten.” Er: “Jaaa, ich weiß. Aber die Marina ist doch auch schön.” Ich einige Zeit später: “Ich liiiiiebe Ankern. Das ist einfach am Schönsten. Diese Ruhe. Gute Luft. Und überhaupt.” Er: “Wenn du das Thema Ankerbucht noch einmal erwähnst…” 😉 Hier haben wir jedenfalls unsere Freunde von der Cape Town getroffen, die von Madeira ankamen, was uns und die Kinder sehr gefreut hat. Mit dem Mietauto ging es gestern dann durch die Nordinsel, bis zum imposanten “Teide”, mit 3.725 Metern der drittgrößte Inselvulkan der Welt.

Morgen wollen wir dann südlich von Teneriffa ankern (drückt mir die Daumen) und einige Zeit bleiben, bevor es zur kleinen Nachbarinsel Gomera geht. Zum Ankern natürlich. 😉

13 Gedanken zu „Eine beschissene Überfahrt und die kanarische Leichtigkeit

  1. Hallo Christina, Deine Berichte sind interessant und sehr ehrlich, Du beschoenigst nichts. Ich freue mich schon auf den naechsten Blog! LG Roland

  2. Hi Christina, bin soeben über die Facebookgruppe blauwasser auf deinen Blog gestoßen – und gleich mal hängengeblieben. Erst mal, weil ich deinen Schreibstift total mag und außerdem ist ein Teil eurer Route auch unserer. Wir sind gerade in Portugal und sind (fürs Erste) am Versuch, nach Rabat zu segeln, knapp gescheitert. Bin schon gespannt wie es bei euch weitergeht und freu mich schon auf die nächsten Beiträge. Liebe Grüße, Ulli und Christoph von der SY Maha Nanda
    https://sailing-mahananda.com/blog/

    1. Liebe Ulli,
      Vielen Dank, das freut mich sehr. 🙂 Was sind denn Eure Reisepläne? Ein Jahr habt ihr Zeit, richtig? Wir sind jetzt in La Gomera, von hier geht es in ein paar Tagen nach Gran Canaria und von da bereiten wir uns auf die Atlantiküberquerung mit der ARC+ vor.
      Einerseits sind wir froh, dass wir in Marokko waren, andererseits werden wir es nicht nochmal machen. 😅 Drücke Euch die Daumen für den nächsten Versuch!
      Liebe Grüße
      Christina und ihre drei Männer

    2. Ich beneide euch sehr um eure drei Jahre und bin andererseits schwer beeindruckt, wie ihr das mit den kleinen Zwillingen meistert! Haben selbst zwei Jungs (sind gottseidank schon 22 und 24😉) und ich kann mich noch bestens an die megaanstrengende Zeit mit zwei Kleinkindern erinnern. Also Hut ab!
      Wir wollten ursprünglich auch in die Karibik aber angesichts der ewigen technischen Probleme ist das gerade in weit Ferne gerückt. Also: mal schauen…
      Weiterhin eine wunderbare Zeit und nicht allzuviel Stress mit deinen drei Männern, LG Ulli

      1. Manchmal ist es wirklich anstrengend. Das wäre es in einer Wohnung aber auch. 😅 Wir denken oft, dass die Reise ohne die Kinder nicht so „bunt“ wäre. Kinder öffnen einem viele Türen und man kommt schnell ins Gespräch. Dennoch sehne ich mich manchmal auch danach, einfach mal ein Buch zu lesen. 🙈 Das kommt dann bei unserer „zweiten“ Reise, wenn die Jungs erwachsen sind. Kommen Euch Eure denn besuchen? Ja, die Bootsprojekte enden nie.. 😑 Hier in der Marina auf La Gomera liegt ein Boot, dad heißt „Never ready“. 😂 LG Christina

  3. Liebe Christina! Ich freue mich, dass du (ihr) eure Erlebnisse mit uns teilt! Und vorallem, dass du nichts beschönigst am Leben auf dem Boot!
    Dein Satz :”Ich hasse diese 30 Minuten-pseudo-Profi-Waschmaschinen, die man in Marinas oft findet, dabei geht kein Fleck raus.” hast du mir quasi aus der Seele geschrieben 😉
    Wir waren zwar bis jetzt noch in KEINER (!) Marina, aber die Waschsalons in den Städten sind da nicht anders!
    Ich überlege immer, ob ich nicht doch lieber mit der Hand wasche, dann weiß ich wenigstens wie gut die Wäsche gewaschen ist. Bei (kleinen) Kleidungsstücken mache ich das auch oft. Aber Bettwäsche ist dann doch einfacher wenn man in den Waschsalon pilgert 🙂 …
    Alles Gute für eure Reise! LG, Sarina

    1. Liebe Sarina,
      Vielen Dank und sehr gerne. 🙂 Ja, die Waschsalons sind wirklich genauso mies. In Galizien waren wir auch 99 Prozent vor Anker. Aber für Bootsarbeiten muss man leider oft in die Marina. In der Karibik ist das Thema jedenfalls erstmal passé. 🤗 Griechenland ist ein traumhaftes Segelrevier! Wünsche euch da viel Spaß.
      Liebe Grüße
      Christina und ihre drei Männer

    1. Wir fahren ja mit der ARC+ über den Atlantik, deswegen ist die Marina in Las Palmas die notwendige “Homebase” vor dem Start Richtung Kapverden. Das ist der Grund, warum ich davor noch so viel wie möglich ankern möchte. 😉 Seid ihr gut auf den Kapverden angekommen?
      Liebe Grüße
      Christina und ihre drei Männer

      1. Alles gut bei uns. Hier sind wir tatsächlich raus aus der Europäischen Kompfortzone (endlich ;-). Sehr heiss und staubig, tolle Menschen (sagen ja alle) und Sal ist einen Besuch Wert. Heute geht es vom Ankerplatz(!) vor Santa Lucia nach Mindelo und dann zeitnah nach Brasilien. Wie geht es bei euch denn von der Karabik aus weiter? Vielleicht sehen wir uns ja im Pazifik (Lissabon sind wir ja an euch vorbei gesegelt). Liebe Grüsse von der eingesandeten Samai!

        1. Die Komfortzone hatten wir in Marokko auch verlassen. 😅 Ich bin schon sehr auf die Kapverden gespannt, auch wenn wir da nur einen kurzen Stopp haben. Wir planen ein Jahr Karibik und dann 2021 den Pazifik. Würde uns sehr freuen, wenn wir uns da treffen. 🤗 Ich bin ja sehr von Euren Plänen fernab der Barfußroute beeindruckt.
          Liebe Grüße aus der Ankerbucht (juhuuu) von der schaukeligen Serenity ⛵️

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