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Ein ganz normaler Strandtag oder: die Begegnung mit der Portugiesischen Galeere

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Wir sind seit einer Woche in Porto Santo, DER europäischen Strandinsel. Neun Kilometer feinster Sandstrand locken viele Touristen und Madeirer (in nicht-Corona-Zeiten) für einen entspannten Strandtag. Madeira – das sicherste Reiseziel Europas. Von wegen. Dass die hochgiftige Portugiesische Galeere auch hier den Strand mag, wusste ich bisher nicht…

Doch wie kam unsere Begegnung mit dem sch… Viech? Heute stand ein Papa-Kinder-Strand-Nachmittag in der Nähe der Marina an, während ich unseren Wäscheberg in Angriff nehmen wollte. Nach dem ich mit dem Falten fertig war, stoß ich zu meinen drei Männern dazu. Fröhlich tobten sie im Sand, ich machte mich auf für einen “nur ich”-Strandspaziergang. Schön. Währenddessen fielen mir vereinzelnt leuchtend blauen Tentakel am Strand auf, die an einer Art kleinen Qualle hingen. Seltsam, sowas hatte ich während unserer Reise noch nie gesehen. Einige Tage zuvor sind mir die Tentakel das erste Mal am Strand am Ponta da Calheta im Westen von Porto Santo aufgefallen. Timo erklärte ich: Auf keinen Fall anfassen! Leuchtende Farben sind immer ein schlechtes Zeichen. Robin hatte in der Zeit Schneckenhäuser gesammelt und bekam davon nichts mit… Da einige einheimische Familien am Strand und auch Baden waren, dachte ich mir nichts böses dabei.

Ich kehrte heute also von dem Spaziergang zurück und machte es mir gerade auf der Decke bequem, als ich Kevin rufen hörte. “Christina, du musst sofort helfen!” Robin schrie wie am Spieß. Kevin: “Er ist auf eine Qualle gefallen!” Robin schrie nur: “Mach das weg, es tut weh!” Eine kleine blaue Tentakel hing noch auf seinem Bauch. Ich wischte das Ding irgendwie weg, wir spülten seinen Bauch mit Wasser ab. Er schrie und schrie weiter. “Eine Welle hat mich umgeschubst!” Es war klar, wie brauchen Hilfe und Essig. Kevin rannte mit Robin zum nahegelegenen Café und ich packte derweil mit Timo die Strandsachen. Schon kam Kevin wieder zurück gerannt: “Wir müssen sofort zum Krankenhaus, sagen die Locals!” Was?! Warum wussten wir nicht, dass es hier so gefährliche Quallen gibt? Hier baden doch gerade überall Menschen!? Natürlich hatten wir ausgerechnet heute nicht unsere Portmonees einstecken, klar.

Ich rannte also mit Timo zum Café zu Robin, in dem zwei liebe Frauen sich um ihn kümmerten. Ich erklärte, dass wir jetzt zu einem Arzt müssten. Er war verständlicherweise panisch, schrie und weinte weiter. Zum Glück gab es das Thema “Feuerqualle” in einem “Was ist was”-Hörbuch und er sagte selbst, dass wir zu einem Leuchtturmwärter müssen. Der half in der Geschichte nämlich bei einer Quallenverletzung. Ok, auf zum Leuchtturmwärter, der eigentlich ein Arzt ist. Die lieben Frauen haben uns ganz selbstverständlich sofort zum Krankenhaus gefahren. Kevin fuhr mit dem Dingi und Timo zum Boot, um Portmonees und Kleidung für Robin zu holen.

In der Klinik musste ich lediglich Name und Geburtsdatum von Robin angeben, schon kamen wir dran. Robin schrie und schluchzte nach wie vor “Noch nie in meinem Leben hat etwas so weh getan! Blöde Qualle! Ich gehe nie mehr an den Strand!” Mit Yo.T.be-Videos beruhigte ich ihn, während er erstmal Essig-Umschläge für zehn Minuten bekam. “Die Frau schmiert mich mit ekligem Öl ein!” Der Essig und die Videos wirkten schnell und Robin ging es schon besser. Dann wurde er mit einer schmerzstillenden Creme eingerieben, was er mit einem lässigen “Thank you” quittierte und zu mir: “Das ist aber angenehm.”

Die Behandlung war kostenlos, wir bekamen Rezepte für Medikamente und wir gingen zur Apotheke. Kevin und Timo stoßen dazu. Timo hat sich große Sorgen um seinen Bruder gemacht und Robins Lieblingskuscheltiere zum Trösten eingepackt, total lieb. In der Apotheke wurden wir mit einem Antihistaminikum, einer Salbe gegen Verbrennungen und einer Salbe gegen Schmerzen ausgestattet. Die Apothekerin erzählte, dass diese gefährlichen Quallen nur bei Südwinden an den Strand gespült werden und einige in den letzten Tagen zu ihr wegen Verbrennungen gekommen seien. Wir hätten Glück gehabt, dass das nicht im Wasser (mit lebendigen Quallen) passiert sei. Das wäre viel schlimmer!

Beim Segelboot angekommen erzählte Robin stolz von seinem “Abenteuer”, die Schmerzen waren vergessen. Zum Trösten gab es ausnahmsweise Pfannkuchen zum Abendessen (sein Lieblingsessen), morgen dürfe er sich beim Einkaufen ein riesen Überraschungsei aussuchen und vor dem Einschlafen gab es auch noch ein Video. “Das ist ein Tag ganz nach meinem Geschmack!” Naja, ob die Schmerzen das denn wert seien? Da musste er tatsächlich kurz überlegen, der Schelm.

Jetzt, wo die Kinder schlafen, google ich kurzerhand nach “Qualle, blaue Tentakel” und stoße auf die hochgiftige Portugiesische Galeere. Bitte was?! Wir scheinen wirklich Glück im Unglück gehabt zu haben.

5 Gedanken zu „Ein ganz normaler Strandtag oder: die Begegnung mit der Portugiesischen Galeere

  1. Wir sind heute durch Zufall auf Euer Blog gestoßen. Unsere “Sabir” liegt auf Porto Santo auf dem Boatyard und wartet, dass wir bald wieder kommen.
    Die Portugiesischen Galeeren sind uns letztes Jahr bei Südwind auch am Strand aufgefallen – fieses Viechzeug. Genießt die Zeit auf dieser traumhaften Insel und Eure Familienreise. Viele Grüße!

    1. Oh schön, wann plant ihr wieder zu kommen? Porto Santo ist wirklich wunderschön… wenn keine Galeeren da sind. 😉 Wir warten jetzt auf ein Wetterfenster, um wieder ans Festland zu kommen.
      Liebe Grüße
      Christina und ihre drei Männer

    1. Ja, wir hatten wirklich Glück, dass das Viech schon länger tot am Strand lag. Am nächsten Tag war schon alles wieder vergessen. 🙂
      Liebe Grüße zurück!

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