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Auf Langfahrt mit Kindern – 5 Jahre versus 3 Jahre – der ultimative Vergleich

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Seit 2,5 Jahren (mit Corona-Unterbrechung) sind wir nun auf Langfahrt. Wir sind gestartet, da waren unsere Jungs gerade drei Jahre alt geworden, quasi frische Kindergartenkinder. Jetzt sind sie 5,5 Jahre alt, quasi Vorschulkinder. Hach, wie die Zeit vergeht… Zeit für ein, wie immer, ehrliches ungeschöntes Resümee.

Eins vorneweg: Es wird einfacher, wenn auch nicht weniger anstrengend. Klingt das irgendwie logisch? Vieles von meinem damaligen Bericht, über das Leben mit Kindern an Bord, ist nach wie vor mehr als zutreffend. Dennoch gibt es Unterschiede. Hier also der Vergleich.

Was ist gleich geblieben?

Die Jungs sind immer noch sehr “Mama-bezogen”, was einerseits schön, manchmal aber auch anstrengend ist. Also wird abwechselnd neben Mama gesessen. Oder ich quetsche mich zwischen sie, wenn eine Lösung gar nicht möglich ist. Papa denkt sich kreative Spiele aus, damit ein Kind auch mit ihm an der Hand über die Straße läuft. Manchmal ist es Kindern überaus wichtig, eine Käsepackung selbst aufzumachen. Das muss man erstmal als rational denkender Erwachsener verinnerlichen. Dazwischen müssen wir nach wie vor Streite schlichten und je nach der Laune der Jungs auch Bomben entschärfen. Und nach wie vor erleben wir mit ihnen die Welt durch Kinderaugen.

Was ist einfacher geworden?

Das wichtigste: Sie tragen keine Windeln mehr!!! Kein Gestank, kein Müll, kein Windelwechseln! Und sie sind selbständiger geworden, hurra!

Sie machen mit beim Tischdecken oder abräumen (wenn sie Lust haben). Sie ziehen sich (meistens) selbst an (“Ich ziehe mich auch alleine an, obwohl das langweilig ist!) und packen ihren kleinen Rucksack mit Bespaßungsmaterial. Sie putzen ihre Zähne (“Ja, man muss Zähne putzen, auch wenn es langweilig ist. Nur Brei essen, weil man keine Zähne mehr hat, ist viel langweiliger!”) und räumen ihr Zimmer auf (“Aufräumen finde ich auch langweilig, aber ihr habt das Chaos gemacht.).

Zum großen Teil sind sie wirklich stolz mitzuhelfen und freuen sich, mehr selbst zu machen. Stolz schmieren sie ihr Brot oder holen uns auch Sachen, die wir vergessen haben. Sie bestellen ihr Essen im Restaurant (in der jeweiligen Sprache) und schmeißen Müll in den Mülleimer. Sie helfen und trösten sich gegenseitig und beschäftigen sich viel mehr alleine oder miteinander und spielen ihr “Geheimspiel”, dabei wird die Tür zur Koje natürlich zu gemacht. Es ist wirklich schön, sie so “wachsen” zu sehen und wir sind regelmäßig mächtig stolz und manchmal auch zu Tränen gerührt. Wir haben großartige Kinder. Und es ist ein kostbares Geschenk, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

Was ist schlimmer geworden?

Folgende Situation, passiert mehrmals wöchentlich, wenn wir gerade fünf Minuten unterwegs sind. “Mama, ich muss auf Toilette!” Ich hoffnungsvoll fragend “Musst du Pipi oder Kaka?”. “Kaka.” Und dahin ist meine Entspannung. “Warum bist du nicht beim Boot/Restaurant auf die Toilette gegangen, wo wir eben waren?” “Da hab ich es noch nicht gemerkt.” Aha. Ist keine Toilette in der Nähe (wobei manche öffentliche oder Restaurant-Toiletten wirklich eklig sind), wird sich irgendwo ein ungestörter Gras- oder Sandfleck gesucht. Nach dem Geschäft, entsorgen wir die Produktion dann wie Hundebesitzer mit Hilfe von Taschentüchern oder Müllbeuteln (die sind immer dabei) im nächsten Mülleimer.

Gefühlt bin ich ununterbrochen am Reden. Entweder muss etwas erklärt (“Was ist der Unterschied zwischen Dingen und Sachen?”) oder diskutiert (“Es ist egal, wer zuerst ins Dingi einsteigt!”) werden. Raffinierte Konfliktstrategien oder Überzeugungstechniken werden ausgepackt. Und generell muss man alles, wirklich alles, mindestens dreimal sagen mit gesteigerter Stimmintensität , bis reagiert wird (“Schuhe anziehen, wir wollen los, mein Schatz.”…”Ziehst du bitte deine Schuhe an?!”…”SCHUHE AN! JETZT!”). Oft nehmen wir das mit Humor, manchmal sind wir aber auch etwas genervt.

Was ist “anders”?

Man merkt, dass die Jungs viel mehr intellektuellen Input wollen und brauchen. Wir machen also Experimente, Rätsel, sprechen Englisch, Basteln, üben Rechnen und Schreiben. Auch wollen sie mehr ins Segeln einbezogen werden. Knoten machen, Leinen fieren, Ausguck halten, Segel setzen, Dingi ins Wasser lassen.

Und wir Eltern haben auch einiges dazu gelernt, sodass wir einige Bomben gar nicht erst scharf werden lassen… zum Beispiel wird den Kindern immer gleichzeitig das Getränk gereicht (“Ich will aber zuerst!”). Auf einem Segelboot auf engsten Raum ist alles gefühlt intensiver. Es ist jetzt wirklich einiges einfacher und wir genießen die Zeit sehr. Was nicht heißt, dass wir eine kinderfreie Pause nicht auch mal genießen oder brauchen. 😉

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